Gebrauchtes (Ver-)Kaufen

28.01.2019

Dein Interesse ist geweckt und Du kannst Dir vorstellen, mal einen Softkite zu kaufen? Bei den aktuellen Neupreisen ist Dir aber ein Neukite zu teuer? Zum Glück gibt's ja einen privaten Gebrauchtmarkt auf den gängigen Foren Oase etc und natürlich Ebay samt der Sparte Kleinanzeigen. Doch woran kannst Du jetzt einen wirklichen Schnapper von einer Gebraucht-Niete unterscheiden. Darum soll es im Folgenden gehen.

"Verkaufe hier meinen 5-mal geflogenen ...", "Das Tuch knistert noch", "Sieht noch aus wie neu", "nur im Urlaub geflogen". Mit solchen Textpassagen locken die privaten Verkäufer in ihren Anzeigen uns potentielle Käufer. Doch meist steckt da wenig Wahrheit hinter, oder etwa doch?

Von den Bildern her sieht der Kite super aus, strahlt förmlich vor Farbe. Doch beim Auspacken kommt die Enttäuschung: Das weiße Tuch ist gelblich und der Sand rieselt förmlich aus den Kammern oder Schleifspuren sind im Tuch erkennbar. Wer schon länger dabei ist und sich öfter mal gebraucht was kauft, kennt das sicher.

Damit es gar nicht soweit kommt, gebe ich Euch hier ein paar Tipps zum Kaufen und Verkaufen.

  1. Durchsucht den Verkaufstext nach konkreten, sachlichen Aussagen, welche Ihr auch auf Bildern erkennen könnt. Eine klare Aussage ist "keine Schäden und keine Reparaturen". Darauf könnt Ihr den Verkäufer auch nach dem Kauf noch festnageln, zur Nachbesserung oder Rücknahme auffordern. Das BGB gibt Euch da Rückendeckung (§ 437). Auch der häufig verwendete Satz "Privatverkauf; keine Garantie und keine Rücknahme!" gilt hier nicht. Lediglich ein Widerruf des Kaufes ist beim Privatverkauf nicht erzwingbar. Zudem gilt: Ihr als Käufer müsst nachweisen, dass der Schaden/Mangel schon zu euch ankam. Schaut deswegen am besten direkt, wenn der Kite ankommt, in der Wohnung mal rüber.
  2. Kauft Ihr einen Depowerkite mit Umlenkrollensystem, so lasst Euch die ganze Leine, auf der die Rolle läuft, fotografieren. Dann erkennt Ihr den Farbunterschied direkt und damit auch den Grad des Verschleißes.
  3. Bei älteren Kites (z.B. Flysurfer Speed3, besonders die DLX-Version), lässt sich das Tuch auf "Weißbruch" kontrollieren. Durch häufiges Falten, Quetschen, etc bricht die Beschichtung des Flugtuchs auf. Bei dem genannten Kite lässt sich das leicht überprüfen, indem Ihr euch die Dirtouts an den Tips umkrempelt und das innenliegende Tuch betrachtet.
  4. Wollt Ihr den Kite auch auf dem Wasser einsetzen, macht den Wasser-Test: Dazu legt Ihr das Tuch (Ober- oder Untersegel) über ein leeres Glas, drückt mit dem Finger leicht rein und kippt etwas Wasser in die entstandene Kuhle. Je weniger Wasser durchläuft, desto besser die Beschichtung.
  5. Lasst Euch Bilder von der Anströmkante schicken, oft gedropte Kites zeigen dort Abnutzungserscheinungen. Je öfter ein Kite auf die Anströmkante gedropt wurde, desto höher ist auch das Risiko, dass intern die Konstruktion Schaden nehmen kann, oder gar eine Zelle platzt.
  6. Je nach Kite macht einen Trimmcheck/Mixertest. Dazu gibt es auch nochmal einen Beitrag. Bei Tubekites/Bars (werden in der Regel immer an/ab-geknüpft) lässt sich an den Anknüpfpunkten ebenfalls die Benutzung erkennen. Matten werden meist angeleint gelassen.
  7. Fragt den Verkäufer nach seinem Fahrstil/Gewicht. Ein 8er einer 60-kg Frau ist sicher häufiger geflogen, als ein 8er eines 100-kg Kiters. Dabei wird dennoch die Belastung des 100-kg 8ers bei weitem höher gewesen sein, und damit auch der "Gebrauchtgrad". Eine Matte zum Hydrofoilen wird wahrscheinlich auch oft geflogen, aber eben nur bei geringen Belastungen.
  8. Ausgehend von Punkt 7: Ein Schaden ist kein "nicht kaufen"-Argument. Ein kleiner Patch auf dem Obersegel, welcher ordentlich ausgeführt wurde, kann einen fast Neukite deutlich im Preis reduzieren. Was würdet Ihr nehmen: Einen 3 Monate alten Urlaubskite mit einem Patch, oder ein 2 Jahre alten Kite ohne Patch?
  9. Überlegt auch: Passt der Verkaufspreis zum Marktwert? Wie alt ist der Kite, wie teuer ist der Neupreis? Kommt Euch das besonders komisch vor, seid besonders vorsichtig!
  10. Um sicher zu gehen, trefft Euch mit dem Verkäufer und schaut den Kite auch persönlich an.

Mittlerweile gibt es auch einige gewerbliche Anbieter. Dies sind meist Shops, die ihr Demomaterial verkaufen. Dieses Material kann durch viele Hände gegangen sein und dementsprechend grob behandelt worden sein. Klingt so, als solle man davon die Finger weglassen? Nein, nicht unbedingt. Gewerbliche Anbieter müssen den Kite bei Nichtgefallen (online gekauft) zurücknehmen. Einige geben sogar 1 Jahr Gewährleistung/Garantie auf ihre Produkte. Sofern man dem Shop eine Mail schreibt, kann man meist sogar am Preis was machen, oder bekommt kleine Goodies dazu.

PS: Auch für Verkäufer noch ein paar Tipps:

  1. Bevor Ihr den Kite verpackt (am besten mit jemandem zusammen) macht nochmal Bilder von dem Kite, besonders Detailbilder von etwaigen Schäden. Das kann im Nachhinein Ärger ersparen.
  2. Wenn Ihr Bilder von den Anknüpfpunkten macht, legt ein weißes DIN-A4-Blatt unter, um ein reproduzierbares Bild unabhängig von der Umgebung zu machen.
  3. Bei Schäden immer auch ein Vergleichsgegenstand daneben legen (Münze).